Zur Situation von Asylbewerbern, Flüchtlingen, Asylberechtigten, subsidiär Schutzberechtigten, Geduldeten und vollziehbar Ausreispflichtigen

Diese genannten Begriffe beschreiben im geltenden Ausländer- und Asylrecht lediglich bestimmte, rechtlich definierte Gruppen der Schutzsuchenden. Alle Ausländerinnen und Ausländer, die aus humanitären Gründen in Deutschland Zuflucht gesucht haben, sind Schutzsuchende. Da uns alle vorgenannten rechtlich differenzierten Gruppen am Herzen liegen und wir sie gerne mit seelsorgerlichem Beistand versorgen möchten, wird im Folgenden häufig der umfassende Begriff „Schutzsuchende“ benutzt. 

Weltweit leben Millionen von Menschen in Ländern und Regionen, die von Unsicherheit, Gewalt, schweren Krisen oder Krieg und Katastrophen betroffen sind. Menschen erleben schwere Menschenrechtsverletzungen, erleben Krieg oder Genozid, werden verfolgt, vertrieben, erfahren am eigenen Leib Gewalt, erleben das Verschwinden von Angehörigen oder deren gewaltsamen Tod, erfahren sexuelle Gewalt, Folter oder sind Zeuge davon, durchlebten womöglich Lager-, Geisel- oder Isolationshaft. Diese Erfahrungen machen auch vor Kindern und Jugendlichen nicht halt. Kinder und Jugendliche in Kriegsregionen und auf der Flucht machen sehr früh die Erfahrung von körperlicher und seelischer Gewalt, werden Opfer von Misshandlungen und sexueller Gewalt. Schon früh wurde in Untersuchungen aufgezeigt, dass Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung häufig traumatisierende Situationen erleben. In einer Studie wurde aufgezeigt, dass etwa 23% der begleiteten Kinder körperlich misshandelt, 8% sexuell misshandelt wurden. Alleinreisende Minderjährige sind diesen Misshandlungen noch wesentlich stärker ausgesetzt: 63% der Alleinreisenden Minderjährigen wurden körperlich, 20% sexuell misshandelt, wobei die sexuelle Misshandlung von Mädchen die Anzahl der Jungen um mehr als das Dreifache übersteigt.(1)

Diese traumatisierenden Erfahrungen können Folgen für die psychische Gesundheit und die psychische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sowie der Erwachsenen und für deren Seelen haben. Psychische und seelische Probleme wiederum können sich körperlich manifestieren und Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben nach sich ziehen.

(1) Die Daten dieses Abschnittes beruhen auf der Untersuchung von Bean T, Derluyn I, Eurelings-Bontekoe E, Broekaert E, Spinhoven P. Comparing psychological distress, traumatic stress reactions, and experiences of unaccompanied refugee minors with experiences of adolescents accompanied by parents. J Nerv Ment Dis. 2007;195(4):288‐297. doi:10.1097/01.nmd.0000243751.49499.93 (zuletzt eingesehen am 17.5.2020)

Weiterführende Literatur zum Thema siehe LITERATURHINWEISE.

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