Seelsorge und Psychotherapie 

Jeder hat gefühlsmäßig eine Vorstellung davon, was Seelsorge ist, dies zu definieren ist dennoch nicht so einfach, und auch die Unterschiede zur Psychotherapie zu benennen, ist nicht leicht.

Bei einem Rückblick in die Geschichte der mittelalterlichen, damals hoch entwickelten  islamischen Welt ist festzustellen, dass der Mensch immer ganzheitlich betrachtet wurde, bei der medizinischen Behandlung immer auch der seelische Zustand der Kranken sowie die gesamte Lebensweise im Blick waren und alle Aspekte in heilsamer Weise gleichzeitig behandelt wurden (Siehe Menüpunkt SEELSORGE, Historischer Ausflug in die Krankenbehandlung in der islamischen Welt).

Zur seelsorgerlichen Ausbildung heute gehören psychotherapeutische Methoden insbesondere der humanistischen Psychologie als ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil. In der Führung seelsorgerlicher Gespräche werden psychotherapeutische Methoden genutzt sowie das Führen und Interpretieren von Verbatim-Protokollen, und nicht zuletzt stellt die mit der Psychotherapie eng verbundene Supervision heute eine regelmäßige und notwendige Begleitung der Seelsorger*innen in der Seelsorgetätigkeit sicher. Selbsterfahrungsübungen sind ganz selbstverständlich in die Ausbildung integriert.

Das behutsame, erspürende, suchende seelsorgerliche Gespräch ist im Grunde auch Teil des psychotherapeutischen Gesprächs. Je nach zeitlichem Druck kann es dort verkürzt ausfallen und durch ein seelsorgerliches Gespräch ergänzt werden. Hier sind die Grenzen fließend. 

In der Seelsorge geht es um anteilnehmende, vertrauliche Begleitung von Menschen in persönlichen Krisen- und Konfliktsituationen mit dem Ziel, den Betroffenen positiv zu stabilisieren, bedingungslose Akzeptanz spüren zu lassen und Trost und Halt zu vermitteln. Seelsorge hat keine körperlich heilenden Wirkungen, aber dennoch heilsame, ist der Mensch doch ein ganzheitliches Wesen, und das seelische Befinden hat Einfluss auf die körperliche Ebene.

Betroffene Menschen und ihre Angehörigen kommen in existentiellen Grenzsituationen wie schwerer oder unheilbarer psychischer Krankheit in schwere Krisen mit oft grundlegenden Fragen nach dem Leben, dem Tod, nach Gott. Menschen können in eine tiefe Glaubenskrise fallen oder jetzt erst anfangen, intensiv im Glauben nach Antworten zu suchen. Diese religiösen Sinnfragen hat die Psychologie nicht in der Intensität wie die Seelsorge im Blick, sie fallen eventuell sogar aus dem Blick heraus. Trotz der heutigen allgemeinen Abkehr von Religion haben religiöse Sinnfragen, Spiritualität und das Haltsuchen im Glauben ihre Berechtigung nicht verloren.

Eine Kenntnis der Seelsorger*innen von den unterschiedlichen psychischen Krankheitsformen ist wichtig für ihren Umgang mit den Patient*innen als auch dazu, dass die Patient*innen merken, die Seelsorgerin bzw. der Seelsorger hat Ahnung, weiß und kann verstehen, wie es ihnen gerade geht. Im Umgang mit den Patient*innen sind das Verhalten und die Reaktionen der Patient*innen vor dem Hintergrund eines bestimmten, bekannten Krankheitsbildes für die Seelsorgerin bzw. der Seelsorger besser zu verstehen. Es gibt auch Kontraindikationen für ein seelsorgerliches Gespräch, beispielweise wenn die Patientin bzw. der Patient unter einer akuten Psychose leidet.

 

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