Profilausbildung Muslimische Psychiatrieseelsorge

Während sich die Profilausbildung Muslimische Krankenhausseelsorge direkt an die Grundausbildung Muslimische Seelsorge anschließt, wird die Profilausbildung Muslimische Psychiatrieseelsorge in größeren Abständen angeboten. Wir sind dabei, neue psychiatrische Einrichtungen für die muslimische Seelsorge zu erschließen, und wir starten Ausbildungen, wenn ein Bedarf an mehr Psychiatrieseelsorger*innen besteht. 

Voraussetzungen

Voraussetzung für die Zulassung zur Profilausbildung Muslimische Psychiatrieseelsorge ist der erfolgreiche Abschluss der Grundausbildung Muslimische Seelsorge. 

Zusätzlich muss eine Eignung der Seelsorger*innen für dieses seelsorgerliche Tätigkeitsfeld bestehen. Ein ausführliches beratendes Gespräch zwischen Ausbildungsbewerber*in, Mentor*in und Ausbildungsleitung zu Beginn der 2. Hälfte der Grundausbildung Muslimische Seelsorge dient diesbezüglich als Klärungs- und Entscheidungshilfe.  

Auf die Notwendigkeit einer Bereitschaft zum Ehrenamt wird bereits vor Aufnahme der Grundausbildung Muslimische Seelsorge aufmerksam gemacht. Die einjährige verpflichtende Seelsorgetätigkeit in einer psychiatrischen Einrichtung schließt sich an die Profilausbildung an.

Erforderliche Ausstattung

An dieser Stelle weisen wir daraufhin, dass wir verstärkt online-Möglichkeiten des Unterrichtens und Lernens einsetzen. Es ist möglich, dass einige Seminare online stattfinden. Wer also an einem Webinar teilnimmt, benötigt dazu eine bestimmte Ausrüstung. Erforderlich ist ein entsprechendes Headset mit Mikrofon sowie gegebenenfalls eine Webcam für die Bildübertragung. 

Kosten der Ausbildung

Bis zum Ausbildungsbeginn ist eine Eigenanteilgebühr in Höhe von 120 Euro fällig (Ratenzahlung möglich). Wir sind dank der großzügigen Unterstützung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg in der glücklichen Lage, die Ausbildungsteilnehmer*innen von den hohen Ausbildungskosten freistellen zu können. Die Eigenkostenbeteiligung ist im Verhältnis zu den tatsächlichen Ausbildungskosten gering gehalten. Das Land Baden-Württemberg teilt und unterstützt unser Ziel, unsere muslimischen Mitbürger*innen in allen seelsorgerlichen Bereichen mit muslimischer Seelsorge versorgen zu können. 

 

Bedingungen und Umfang der Ausbildung

Die Profilausbildung Muslimische Psychiatrieseelsorge umfasst 6 ganztägige Seminartage in einem Zeitraum von zwei Monaten (Schulferien und Ramadan sind unterrichtsfrei). Die Ausbildung findet jeweils am Wochenende statt (an durchschnittlich zwei Seminarwochenenden pro Monat), so dass die Ausbildung auch für Berufstätige möglich ist. An die theoretische Ausbildungsphase schließt sich eine 40-stündige Praxisphase an.

 

Wer die Ausbildung antritt, ist zur regelmäßigen Teilnahme an allen Seminarmodulen verpflichtet. Eine regelmäßige Teilnahme an Supervisionen während der gesamten späteren Seelsorgetätigkeit ist bereits während der Praxisphase der Profilausbildung verpflichtend – zur Qualitätssicherung der Arbeit, vor allem aber auch zur psychisch-seelischen Eigensicherung. Ebenso gilt eine Teilnahme an den regelmäßigen Arbeitskreisen und Fortbildungen während der sich anschließenden aktiven Seelsorgetätigkeit als verpflichtend.

Referent*innen und Lernmethoden der Ausbildung

Unsere Ausbildungsreferent*innen sind Psycholog*innen und Psychiater*innen des Universitätsklinikums Tübingen und des Pfalzklinikums Klingenmünster sowie erfahrene christliche und muslimische Seelsorger*innen, die in Zentren und Einrichtungen für Psychiatrie tätig sind.

Die Methoden des Lernens in der Ausbildung sind: Referieren des Lehrenden, Gruppen- und Einzelarbeit, Fallbeispiele, Rollenspiele, Biografiearbeit, Psychodrama, Lesen von Vor- und Nachbereitungsliteratur. 

Lernziele sind neben dem Wissenserwerb in den unterschiedlichen Ausbildungsbereichen Wege des eigenen Umgangs mit Gefühlen, Selbst- und Fremdwahrnehmung, der Umgang mit eigenen Erfahrungen in Bezug auf psychische Krankheit, die Dynamik von Kommunikation, seelsorgerliche Gesprächsführung, die eigene Rolle und Identität in Verbindung mit Schwächen, Stärken, Helfen, Glauben sowie die Wahrnehmung und das Erleben eigener Ressourcen und Kraftquellen für die Seelsorgetätigkeit im psychiatrischen Bereich und deren zielorientiertes Anwenden.

 

 

Inhalte der Ausbildung

  • Psychiatrische Krankheitsbilder

  • Mehrdimensionalität psychischer Erkrankungen

  • Existentielle und soziale Gegebenheiten psychisch Erkrankter

  • Einschätzung und Beurteilung der existentiellen Bedeutung ungewöhnlicher religiöser Erfahrungen und Vorstellungen

  • Umgang mit erkennbaren Bindungen an Sekten und esoterische Gruppierungen

  • Diagnostik unter Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche individuelle Behandlung

  • Medikamentöse Behandlung

  • Therapieangebote der unterschiedlichen Fachkliniken in Orientierung an Beschwerdebildern, Alter und Alltagsmöglichkeiten der Patient*innen

  • Selbsterfahrung und Eigenreaktion in Bezug auf die eigene Rolle als Seelsorger*in im Erleben von psychischen Störungen, psychiatrischen Krankheitsbildern und beobachtbaren Verhaltensmerkmalen

  • Bandbreite des seelsorgerlichen Einsatzes in psychiatrischen Einrichtungen (Sprechstunde, Einzel- und Gruppengespräche, Informationsveranstaltungen;  gemeinsame Gebete und Festanlässe der islamischen Glaubensströmungen)

  • Anfertigung und Umgang mit Verbatimprotokollen

  • Selbsterfahrung

 

Diese Themenbereiche geben einen groben Überblick über die Lehrinhalte der Ausbildung bzw. die Ausbildungsmodule. Zu Beginn der Profilausbildung erhalten die Teilnehmenden einen inhaltlich und zeitlich detaillierten Gesamtplan für die gesamte Profilausbildung, in welchem die Module mit ihren einzelnen Thematiken ausführlich angegeben und alle Seminartage ersichtlich sind. 

Prüfung 

Die Ausbildung wird mit einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung abgeschlossen. Beide  Prüfungsteile müssen erfolgreich bestanden werden. In der schriftlichen Prüfung wird nach allen  Ausbildungsinhalten gefragt, in Form von multiple choice-Fragen oder durch komplexere Fragestellungen, die einer schriftlichen Beantwortung und Ausführung bedürfen. In der mündlichen Prüfung geht es auf Basis des Erlernten um den Praxisbezug. Praktische Beispiele und Fragestellungen aus der Seelsorgepraxis werden analysiert und mögliche Wege

einer seelsorgerlichen Begleitung oder im seelsorgerlichen Gespräch werden von den zu Prüfenden erläutert. Dies geschieht in der Diskussion und im Rollenspiel.

An die Abschlussprüfung schließt sich die Praxisphase an. Die Praxisphase ist Bestandteil der Profilausbildung.

Praxisphase 

Nach erfolgreich abgelegter schriftlicher Prüfung über die Ausbildungsinhalte der Profilausbildung findet einezweistufige Praxisphase im Umfang von insgesamt 40 Stunden in einer psychiatrischen Einrichtung statt. Zunächst hospitieren die Ausbildungsabsolvent*innen in einem Umfang von 10 Stunden an der Seite von erfahrenen Psychiatrieseelsorger*innen. In den verbleibenden 30 Stunden können die Ausbildungsabsolvent*innen selbstständig praktische Erfahrung sammeln. Dabei stehen die erfahrenen Psychiatrieseelsorger*innen bei Bedarf für alle Fragestellungen oder gewünschte Besprechungen als Ansprechpartner*innen zur Verfügung. Die vorgegebene Stundenanzahl kann flexibel und individuell mit den die Praxisphase betreuenden Psychiatrieseelsorger*innen abgesprochen werden, so dass auch für Berufstätige eine entspannte Planung der Praxisphase möglich ist. Die Praktikumsphase soll jedoch innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. 

Über die Praktikumsphase ist eine kleine schriftliche Reflexion anzufertigen. Die Praxisphase einschließlich schriftlicher Reflexion dient einer gelingenden Einarbeitung in die Praxis des neuen, psychiatrischen Seelsorgebereichs.

Die Praxisphase während der Ausbildung wie auch die einjährige ehrenamtliche Seelsorgetätigkeit werden mit Supervision begleitet. Die Supervision mit erfahrenen Supervisor*innen dient der Beobachtung und Reflexion der seelsorgerlichen Praxis unter der Berücksichtigung von Erfahrungsaustausch und Thematisieren von persönlich Bewegendem. Ziele der Supervision sind letztendlich die Verbesserung der seelsorgerlichen Praxis und deren Qualitätssicherung. 

Die Praxisphase ist Teil der Profilausbildung.

Bestehen der Profilausbildung 

Die Profilausbildung ist erfolgreich abgeschlossen nach der bestandenen schriftlichen und mündlichen Prüfung einschließlich der Beendigung der vorgeschriebenen Praxisphase.

Die einjährige ehrenamtliche Seelsorgetätigkeit wird nach erfolgreich abgeschlossener Profilausbildung an einer Einrichtung des Seelsorgebereichs der absolvierten Profilausbildung geleistet.

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