Profilausbildung Muslimische Notfallseelsorge

Während sich die Profilausbildung Muslimische Krankenhausseelsorge direkt an die Grundausbildung Muslimische Seelsorge anschließt, wird die Profilausbildung Muslimische Notfallseelsorge nur in größeren Abständen angeboten, so dass möglicherweise eine Wartezeit überbrückt werden muss. Wir bilden aus, wenn wir sicheren Bedarf haben und Plätze mit muslimischen Notfallseelsorger*innen zu besetzen sind. 

 

Voraussetzungen

Voraussetzung für die Zulassung zur Profilausbildung Muslimische Notfallseelsorge ist der erfolgreiche Abschluss der Grundausbildung Muslimische Seelsorge. 

Zusätzlich muss eine Eignung der Seelsorger*innen für dieses seelsorgerliche Tätigkeitsfeld bestehen. In notfallseelsorgerlichen Einsätzen ist eine hohe psychische Stabilität und großes mitmenschliches Aushalten gefragt. Nicht jeder Mensch kann diese Arbeit leisten. Ein ausführliches beratendes Gespräch zwischen Ausbildungsbewerber*in, Ausbildungsleitung und erfahrenen Seelsorger*innen dient diesbezüglich als Klärungs- und Entscheidungshilfe. 

Auf die Notwendigkeit einer Bereitschaft zum Ehrenamt wird bereits vor Aufnahme der Grundausbildung Muslimische Seelsorge aufmerksam gemacht. Die einjährige verpflichtende Seelsorgetätigkeit wird im gewählten seelsorgerlichen Bereich der Muslimischen Notfallseelsorge abgeleistet und schließt sich an die Profilausbildung an.

 

Erforderliche Ausstattung

An dieser Stelle weisen wir daraufhin, dass wir verstärkt online-Möglichkeiten des Unterrichtens und Lernens einsetzen. Es ist möglich, dass einige Seminare online stattfinden. Wer also an einem Webinar teilnimmt, benötigt dazu eine bestimmte Ausrüstung. Erforderlich ist ein entsprechendes Headset mit Mikrofon sowie gegebenenfalls eine Webcam für die Bildübertragung. 

Kosten der Ausbildung

Bis zum Ausbildungsbeginn ist eine Eigenanteilgebühr in Höhe von 190 Euro fällig. Wir sind dank der großzügigen Förderung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg in der glücklichen Lage, die Ausbildungsteilnehmer*innen von den hohen Ausbildungskosten freistellen zu können. Die Eigenkostenbeteiligung ist im Verhältnis zu den tatsächlichen Ausbildungskosten gering gehalten. Das Land Baden-Württemberg teilt und unterstützt unser Ziel, unsere muslimischen Mitbürger*innen auch und gerade in plötzlichen, schweren Krisen mit muslimischer Seelsorge versorgen zu können. 

 

Bedingungen und Umfang der Ausbildung

Die Profilausbildung Muslimische Notfallseelsorge umfasst 11 ganztägige Seminartage in einem Zeitraum von drei Monaten (Schulferien und Ramadan sind unterrichtsfrei). Die Ausbildung findet jeweils am Wochenende statt (an durchschnittlich zwei Seminarwochenenden pro Monat), so dass die Ausbildung auch für Berufstätige möglich ist. An die theoretische Ausbildungsphase schließt sich eine 60-stündige Praxisphase an.

Wer die Ausbildung antritt, ist zur regelmäßigen Teilnahme an allen Seminarmodulen verpflichtet. Außerdem erklärt sich der Bewerber bzw. die Bewerberin mit Ausbildungsantritt zu einer einjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Notfallseelsorgerin bzw. als Notfallseelsorger bereit. Da eine notfallseelsorgerliche Tätigkeit eine psychisch sehr belastende Tätigkeit ist, ist eine regelmäßige Teilnahme an Supervisionen schon während der Praxisphase und während der gesamten späteren Notfallseelsorgetätigkeit besonders wichtig und verpflichtend – zur Qualitätssicherung der Arbeit, vor allem aber auch zur psychisch-seelischen Eigensicherung. Ebenso gilt eine Teilnahme an den regelmäßigen Arbeitskreisen und Fortbildungen als verpflichtend.

Erforderlich ist außerdem die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs. Kann zu Beginn der Profilausbildung kein Nachweis über die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs vorgelegt werden, so ist in der ersten Ausbildungshälfte ein Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren.

 

Referent*innen und Lernmethoden der Ausbildung

Unsere Ausbildungsreferent*innen sind Psycholog*innen, Referent*innen aus den Organisationsstrukturen der psychosozialen Notfallversorgung, muslimische Theolog*innen sowie erfahrene christliche und muslimische Notfallseelsorger*innen.

Die Methoden des Lernens in der Ausbildung sind: Referieren der Lehrenden, Gruppen- und Einzelarbeit, Fallbeispiele, Rollenspiele, Lesen von Vor- und Nachbereitungsliteratur. 

Lernziele sind neben dem Wissenserwerb in den unterschiedlichen Ausbildungsbereichen Wege des eigenen Umgangs mit Gefühlen, Selbst- und Fremdwahrnehmung, der Umgang mit eigenen Erfahrungen in Bezug auf Unglücksfälle und Schicksalsschläge, die Dynamik von Kommunikation, seelsorgerliche Gesprächsführung, die eigene Rolle und Identität in Verbindung mit Schwächen, Stärken, Helfen, Hoffnung und Glauben sowie die Wahrnehmung und das Erleben eigener Ressourcen und Kraftquellen für die Notfallseelsorgetätigkeit und deren zielorientiertes Anwenden.   

 

Inhalte der Ausbildung

  • Organisationsstrukturen der PSNV (Psychosoziale Notfallversorgung) und der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben)

  • Belastende Ereignisse: Trauma – Krise – Trauer

  • Heilsame seelsorgerliche Ressourcen – Resilienz – Salutogenese

  • Kommunikation und seelsorgerliche Gesprächsführung in notfallseelsorgerlichen Situationen

  • Notfallseelsorgerliche Einsatzindikationen: plötzlicher häuslicher Tod, erfolglose Reanimation, Überbringen einer Todesnachricht, Vermisstensuche, suizidale Krisen, Talk Down, Betreuung der Hinterbliebenen nach Suizid, Notfälle mit Kindern, Notfälle in Schulen, plötzlicher Kindstod, Umgang mit Unfallverursachern, Betreuung nach Gewalterfahrung, Betreuung nach Vergewaltigung, Betreuung nach Überfall, Betreuung nach Brand oder Explosion, Betreuung nach Evakuierung, Betreuung nach Entführung oder Geiselnahme.

  • Religiöse und psychologische Dimensionen von PSNV-Ereignissen

  • Medizinische Notfälle im Einsatz – Theorie und juristische Fragestellungen

  • Medizinische Notfälle im Einsatz – Praxisübung

  • Weiterführende Hilfen für Betroffene

  • Eigene oder herangetragene Rollenerwartung an Notfallseelsorger*innen

  • Eigenschutz und Psychohygiene

 

Diese Themenbereiche geben einen groben Überblick über die Lehrinhalte der Ausbildung bzw. die Ausbildungsmodule. Zu Beginn der Profilausbildung erhalten die Teilnehmenden einen inhaltlich und zeitlich detaillierten Gesamtplan für die gesamte Profilausbildung, in welchem die Module mit ihren einzelnen Thematiken ausführlich angegeben und alle Seminartage ersichtlich sind. 

Prüfung 

Die Ausbildung wird mit einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung abgeschlossen. Beide  Prüfungsteile müssen erfolgreich bestanden werden. In der schriftlichen Prüfung wird nach allen  Ausbildungsinhalten gefragt, in Form von multiple choice-Fragen oder durch komplexere Fragestellungen, die einer schriftlichen Beantwortung und Ausführung bedürfen. In der mündlichen Prüfung geht es auf Basis des Erlernten um den Praxisbezug. Praktische Beispiele und Fragestellungen aus der Seelsorgepraxis werden analysiert und mögliche Wege einer seelsorgerlichen Begleitung oder im seelsorgerlichen Gespräch werden von den zu Prüfenden erläutert. Dies geschieht in der Diskussion und im Rollenspiel.

An die Abschlussprüfung schließt sich die Praxisphase an. Die Praxisphase ist Bestandteil der Profilausbildung.

Praxisphase 

Nach erfolgreich abgelegter schriftlicher Prüfung über die Ausbildungsinhalte der Profilausbildung findet eine zweistufige Praxisphase im Umfang von insgesamt 60 Stunden  in den verschiedenen Organisationen der psychosozialen Notfallversorgung wie Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei (jeweils 20 Stunden) statt. Zunächst hospitieren die Ausbildungsabsolvent*innen bei den beiden ersten Einsätzen an der Seite von erfahrenen Notfallseelsorger*innen, d.h. sie begleiten  den Einsatz, halten sich aber noch beobachtend im Hintergrund. In den verbleibenden Stunden können die Ausbildungsabsolvent*innen aktiv werden und an der Seite der betreuenden Notfallseelsorgerin bzw. des betreuenden Notfallseelsorgers praktische Erfahrung sammeln. Dabei stehen die erfahrenen Notfallseelsorger*innen bei Bedarf für alle Fragestellungen sowie eine intensive Nachbesprechung zur Verfügung. 

Die Zeiten der Praxisphase richten sich nach den Einsätzen der Notfallseelsorger*innen, sind also nicht zeitlich vorhersehbar und erfordern eine große zeitliche Flexibilität und eine 24-stündige Einsatzbereitschaft an den Tagen, an denen die oder der betreuende Notfallseelsorger*in Dienst hat. 

Über die Praktikumsphase ist eine kleine schriftliche Reflexion anzufertigen. Die Praxisphase einschließlich schriftlicher Reflexion dient einer gelingenden Einarbeitung in die Praxis des neuen, speziellen Seelsorgebereichs.

Nach einem Jahr Einsatz und Erfahrung an der Seite von erfahrenen Notfallseelsorger*innen ist ein Einsatz allein nach Abruf möglich.

Bestehen der Profilausbildung 

Die Profilausbildung ist erfolgreich abgeschlossen nach der bestandenen schriftlichen und mündlichen Prüfung einschließlich der Beendigung der vorgeschriebenen Praxisphase.

Die einjährige ehrenamtliche Seelsorgetätigkeit wird nach erfolgreich abgeschlossener Profilausbildung an einer Einrichtung des Seelsorgebereichs der absolvierten Profilausbildung geleistet.

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